Regenwald vs. Palmöl

23 06 2011

Seit meinen Recherchen für den letzten Blogeintrag wird mir klar, dass Palmöl ein sehr stark diskutiertes Thema zu sein scheint. Es ist leicht Informationen im Internet zu Palmöl zu finden. Vor allem von Umweltschutzorganisationen wird viel Infomaterial angeboten. Während meiner Suche bin ich über ein Video gestolpert:

Das Video wurde von Greenpeace gedreht um auf die Verwendung von Palmöl bei Nestlé aufmerksam zu machen. Der Greenpeace Blog schreibt dazu: „Nestlé bezieht große Mengen Palmöl von der Firma Sinar Mas, die für ihre Plantagen großflächig Regenwälder vernichtet. Damit macht sich Nestlé auch mitschuldig an der Ausrottung des Orang-Utans. […]“

In der Ausgabe 02/2011 der Zeitschrift Natur+Kosmos wird der Grund erklärt, weshalb Palmöl ein so großes Problem für den Regenwald darstellt: „Flächennomadismus […]. Oft wird das nächste Stück Regenwald gerodet, damit neue Ölpalmen angepflanzt werden können. Ist auch diese Fläche dann buchstäblich am Ende, ist die nächste dran. Eine gängige Praxis vor allem in Indonesien und Malaysia, den beiden Hauptlieferanten von Palmöl.“

Auch auf den Seiten von www.faszination-regenwald.de  wird (etwas fatalistisch) über Palmöl informiert:

Palmöl Anbau der letzten Jahre

Palmöl Anbau der letzten Jahre

    • Die Anbaufläche für Ölpalmen in Indonesien wurde in den letzten 30 Jahren kontinuierlich erhöht […] von 0,6 Millionen Hektar im Jahre 1985, […] bis auf 5,4 Millionen Hektar im Jahr 2004. Tendenz steigend! Im Jahr 2008 sollen 8,4 Millionen Hektar erreicht sein […], Anträge auf die Umwandlung weiterer 20 Millionen Hektar sind gestellt: Diese Fläche entspricht in etwa der Fläche der noch unberührten Regenwälder Indonesiens. (Das heißt danach gäbe es keinen Regenwald mehr in Indonesien)
  • Südamerika holt auf. In Kolumbien wird sehr viel Regenwald für den Anbau von Ölpalmen vernichtet. Land ist billig in Amazonien, billiger als in Südostasien – das weckt die Begehrlichkeiten der Palmöl-Industrie.
  • Der […] Boom der Agrartreibstoffe ist nicht so ökologisch, wie die Vorsilbe „Bio“ suggeriert. Die EU-Umweltminister haben Anfang März 2007 beschlossen, den Anteil der Agrarkraftstoffe in Benzin und Diesel bis zum Jahr 2020 auf 10% zu erhöhen. Doch unsere heimischen Anbauflächen reichen nicht aus, um diese zehn Prozent Agrarkraftstoffe allein aus Rapsöl herzustellen […] Europa ist durch die Agrardiesel-Förderung zum größten Importeur für Palmöl geworden.

    Beispielhafter Aktienkurs für Palmöl

    Beispielhafter Aktienkurs für Palmöl

  • Seit dem Boom der Agrartreibstoffe ist die Nachfrage nach Palmöl regelrecht explodiert. Innerhalb der letzten 10 Jahre verdoppelte sich der Palmölverbrauch weltweit.

In einem Artikel der Zeit finde ich noch weitere Fakten:

  • Derzeit gibt es in Indonesien rund 7 Millionen Hektar Öl-Palm-Plantagen.
  • In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Plantagenfläche fast verzehnfacht. Ein Antreiber für diese Expansion ist die Nachfrage nach Biosprit.
  • Im Jahr 2008 wurden 43 Millionen Tonnen Palm- und Palmkernöl erzeugt, momentan sollen es circa 45 Millionen Tonnen pro Jahr sein.

In einem Greenpeace Artikel finde ich folgendes:

  • Deutschland importiert jährlich etwa eine Million Tonnen Palmöl. Nach den Niederlanden sind die Deutschen damit der zweitgrößte Verbraucher von Palmöl in der EU.

Immerhin gibt es eine (wenn auch nicht perfekte) Alternative zum klassischen Palmöl: Bio-Palmöl. Wenn die Palmen zu alt und zu hoch werden, werden an ihrer Stelle junge Setzlinge gepflanzt. Die Flächen an sich bleiben dem Palmölanbau langfristig erhalten.

Aber nur ein Bruchteil der weltweiten Palmölernte trägt ein Bio- oder RSPO-Siegel. Außerdem steht selbst dieses Bio-Palmöl unter Kritik, da trotzdem noch Wälder für dieses Öl gerodet werden, solange die Nachfrage für Palmöl weiter wächst. Und weil durch Korruption die Idee des Bio-Palmöls zerstört wird und der Weg des Bio-Palmöls von der Herstellung bis zum Endverbraucher nicht lückenlos nachvollziehbar ist.

So schreibt z.B. Ralf Michel von der Borneo Orang-Utan-Hilfe  in einem Forum: „Annahme: Bio-Plantagenbetreiber in Malaysia führt seine Ware auf dem Seeweg aus. Die nötigen Exportpapiere werden von den dortigen Zollbehörden erstellt. Im gleichen Hafen werden zur gleichen Zeit neben den 20 Tonnen sogenanntem Bio-Palmöl 20.000 To[nnen] konventionelles Palmöl abgewickelt. Siehe da, auf wundersame Art und Weise wurden 20 Tonnen nun 20.020 Tonnen Bio-Palmöl“

Das klingt irgendwie alles furchtbar. Mal ganz abgesehen von den blutigen Bildern getöteter Orang-Utans und abgeholzter Wälder bin ich ziemlich schockiert, welche Auswirkungen die Palmöl-Herstellung auf unseren Planeten hat. Eins ist klar: ich will die Hersteller, die Palmöl verwenden nicht unterstützen und lieber die Produkte kaufen, die auf Palmöl verzichten. Aber wo fängt man da an? Wie kann ich herausfinden welche Produkte ich kaufen soll und welche nicht? Schließlich wird Greenpeace nicht für jeden Hersteller ein solches Video drehen wie sie es gegen Nestlé getan haben. Und um ehrlich zu sein, Ich würde die auch gar nicht sehen wollen.

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6 responses

23 06 2011
C

Hm, wenn es so viel Anbaufläche für Palmöl gibt, heißt das doch nicht zwingend, dass man dafür den Regenwald abholzt, oder?
In meiner naiven Weltvorstellung ist leider eh schon viel abgeholzt und deshalb kann man die Fläche ja nun nutzen. Das würde bedeuten, dass die genannten, bösen Konzerne gar nicht so böse sind.

23 06 2011
Alltagsöko

Interessanter Einwand. Allerdings verstehe ich mit meiner naiven Weltvorstellung die Aussagen der verschiedenen Quellen so, dass die Anbauflächen eben nicht wieder genutzt werden, sondern stattdessen einfach brach liegen gelassen werden und dafür neue Fächen gerodet werden. Das was du meinst ist ja genau die Idee, die Bio-Palmöl verfolgt. Nutz die Flächen die existieren.
Insofern sind die bösen Konzerne also sogar noch böser als gedacht, weil sie Flächen verschwenden.

Interessant finde ich auch den Begriff „Böser Konzern“. Ich meine wer ist denn schon absichtlich böse? Und wer sagt dass es immer Konzerne sein müssen? Ok, in diesem Fall habe ich eine Firma genannt, die zufällig ein Konzern ist und deshalb auffällt. Geb ich ja zu. Aber meinst du nicht, dass Nestlé vielleicht in ein paar Jahren nur noch Bio-Palmöl bezieht, wenn sie merken, dass niemand mehr ihre Produkte kauft? Ich meine Entscheidungen sind doch in Unternehmen immer nur eine Frage von Angebot und Nachfrage. Und sind nicht letztendlich die Verbraucher die „bösen“ weil sie sich nicht informiert haben und uninformiert konsumieren? Oder weil sie gar glauben, dass ihr einer Kitkat Riegel die Welt jetzt auch nicht ändert? (Nur dass dann dummerweise Millionen Verbraucher das gleiche denken..)

Nur mal so zum Nachdenken…..

23 06 2011
Artemys

Regenwaldboden ist eigentlich ein ziemlich Nährstoff armer Boden mit einer nur sehr dünnen Humusschicht. Er müsste um ertragreicher zu sein und entsprechend viel „Frucht“ zu tragen, stark aufbereitet werden – und das kostet Geld und mindert somit den Profit. Daher ist es in diesen Ländern gängige Praxis, ständig „neuen“ Boden urbar zu machen.

Aber die Sache mit dem schwindenden Regenwald für Palmöl und damit auch für Biosprit ist nur ein Teil des Problems ein weiterer Teil ist dieser: Agrosprit für Europa gefährdet Familien in West-Afrika >> http://www.epo.de/index.php?option=com_content&view=article&id=7360:agrosprit-fuer-europa-gefaehrdet-familien-in-west-afrika&catid=99:topnews

21 07 2011
Von Glyzeriden und Palmitaten « Bio im Alltag

[…] ich mir jetzt über die Palmöl Problematik im klaren bin, will ich versuchen im Supermarkt darauf zu achten, was ich kaufe. Zum Glück ist mir […]

28 07 2011
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[…] Die Frage, um die es nämlich eigentlich geht, ist doch: Welche Produkte sind zu vermeiden, um den Regenwald zu […]

2 08 2011
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